Freundinnen mit und ohne Nachwuchs

Girl scouts at Frustunaby farm, Södermanland, Sweden

Mit meinen engsten Freundinnen aus der Schulzeit habe ich noch immer (11 Jahre nach dem Abi) sehr guten Kontakt. Wir waren zusammen auf dem Internat, eine ganz besondere und intensive Erfahrung, die zusammenschweißt. Zwar haben wir uns nicht, wie vor dem Abschluss feierlich geschworen, einmal im Jahr getroffen, aber dank Internet und diversen Messaging-Diensten wissen wir immer recht gut über das Leben der anderen Mädels Bescheid. Einige hundert Whatsapp-Nachrichten an einem Vormittag sind keine Seltenheit und meist geht es dabei sehr lustig zu. In den letzten Jahren haben sich allerdings zunehmend kleinere und größere Gräben gebildet.

Klar, wir haben uns alle in unterschiedliche Richtungen entwickelt – von der (Achtung – Klischee!) Karrierefrau ohne Familienpläne bis hin zur Vollblutmutti, die leidenschaftlich für Langzeitstillen und Tragen plädiert, ist alles dabei. Verheiratet mit Mann oder Frau, in Fernbeziehung, Single… Interessen, Sozialstatus, politische Ansichten – wir sind in vielen Dingen verschieden. Das Thema mit dem allergrößten Sprengstoff ist allerdings *Trommelwirbel* der Nachwuchs *Tusch*. Fast alle Konflikte zwischen uns drehen sich um Fragen wie:

  • Wie viel darf man den anderen von den eigenen Kindern erzählen, ohne dass es denen auf den Wecker fällt?
  • Wie oft ein aktuelles Bild der Kleinen herumschicken? Was ist noch süß, was schon Spam?
  • Mädelstreffen (ein Wochenende in einer Ferienwohnung irgendwo in Deutschland) mit oder ohne Nachwuchs?

Manche Kinderlose findet, dass sich bei den Mamas alles nur um die lieben Kleinen dreht. Manche Mama hingegen hat den Eindruck, sie müsse gegenüber ihren kinderlosen Freundinnen so tun, als hätte sie gar keine Kinder. Das führt dann leider dazu, dass sich kleine Untergrüppchen bilden und die Lust auf Treffen „in echt“ sinkt. Ich gebe zu, dass sich meine Perspektive seit der Geburt von Baby E. geändert hat. Tendenziell stand ich aber auch schon vorher eher auf der Seite der Mamas, weil ich die Beziehungsdramen der Singles nicht mehr oder weniger interessant und relevant für mein eigenes Leben fand als die Nachrichten über die neuesten Fähigkeiten anderer Leute Kinder. Da hat mir eher bei den Kinderlosen schon mal das Verständnis dafür gefehlt, dass ein Kind kein Lifestyleaccessoire ist, das man nach belieben aus dem Schrank holen kann oder eben auch nicht.

Vielleicht lässt sich dieses Problem nicht lösen und wir finden erst wieder so richtig zueinander, wenn wir so alt sind, dass wir nur noch in den Erinnerungen an die gute alte Schulzeit schwelgen wollen. Schade wär das aber schon. Ich hoffe, dass wir in Zukunft einen guten Kompromiss finden und vor allem mehr Verständnis dafür aufbringen, dass andere Leute andere Prioritäten haben.