Was wird anders mit Kind?

Wann immer sich im Leben etwas ändert, und sei es nur das Alter, kommt unweigerlich die Frage: „Uuuund, wie fühlt es sich denn nun an, … zu sein?“ Für … kann man wahlweise 30, verheiratet oder Eltern einsetzen. Nach meiner Hochzeit habe ich mich das manchmal auch selbst gefragt. Ist jetzt irgendwas anders? Ich finde, ja, aber das ist ein Thema für einen anderen Post 😉 Nach der Geburt von Baby E. musste ich mir diese Frage eigentlich nie aktiv stellen, denn ich fühlte mich eindeutig anders. Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich ein Upgrade erhalten, mit dem plötzlich ganz viele zusätzliche Gefühle und neue Perspektiven verfügbar sind. Es ist wirklich merkwürdig und manchmal sogar ein wenig erschreckend, denn nicht alles davon ist nur positiv.

Eine sehr eindrückliche Veränderung ist, dass ich sehr viel emotionaler reagiere, wenn Kindern schreckliche Dinge passieren. Hunger, Gewalt, Vernachlässigung… Klar, das findet man immer schlimm, aber seit Baby E. auf der Welt ist, überfallen mich manchmal regelrecht Gedanken an all das Leid auf der Welt. Ich bin froh, dass mein Kind sicher und behütet aufwächst und es tut mir in der Seele weh, dass das nicht für alle Kinder der Fall ist. Gerne würde ich mehr für andere Kinder tun, die weniger Glück im Leben haben, damit diese Gefühle mich nicht nur runterziehen, sondern auch einen positiven Effekt haben. Das soll jetzt auch nicht so klingen, als hätte ich mich als Mama in eine Heulsuse verwandelt. Ganz im Gegenteil: Bei uns wird viel mehr gelacht als früher. Wir sind von Haus aus eher Kopfmenschen und dass mit der Kleinen kindliche Freude und Albernheit bei uns eingezogen sind, ist ein echter Segen.

Sehr positiv finde ich auch, dass so ein kleiner Mensch einen davon abhält, sich ständig mit sich selbst zu beschäftigen. Das geht jedenfalls mir so. Keine Zeit mehr, mich stundenlang über kleine Speckröllchen, X-Beine oder sonst welchen Quatsch zu ärgern. Generell fällt mir auf, dass ich viel weniger bereit bin, mir Zeit stehlen zu lassen und Dinge weniger vor mir herschiebe. Gleichzeitig habe ich auch gelernt, Geduld zu haben. Dafür sind Kinder wirklich perfekt.

Natürlich ändern sich auch viele „äußere“ Dinge: Es ist immer, wirklich immer, unordentlich bei uns. In Sekundenschnelle können kleine Babyhände eben Geputztes wieder einsauen und ein aufgeräumtes Zimmer in ein Schlachtfeld verwandeln. Ich versuche mich jetzt immer ganz aktiv für ein paar selige Minütchen am frisch geputzten Fußboden zu erfreuen und mich danach in eine Art zenmäßigen Scheißegalmodus zu begeben, wenn ich nämlich mit ansehen muss, wie alles wieder vollgekrümelt wird 😀 Ich muss nicht mal mehr darüber nachdenken, die Waschmaschine anzuschmeißen. Wenn ich im Badezimmer bin und das gute Maschinchen nicht ohnehin schon vor sich hin rumpelt, schmeiße ich quasi schon im Vorbeigehen Zeugs hinein. Kleiner wird der Wäscheberg irgendwie trotzdem nie.

Gott sei Dank gibt es Großeltern, die einen ab und an ein wenig entlasten. So ein Besuch zum Kaffee bei Oma und Opa ist für uns das ultimative Wellnesserlebnis geworden. Man muss sich nur an den gedeckten Tisch setzen, allerlei Leckereien in sich hineinstopfen, während der Nachwuchs von den begeistertsten Babysittern der Welt unterhalten wird. Nachdem man sich in den vergangenen Jahren ein eigenes Leben ohne die Eltern aufgebaut und sich vollends abgenabelt hat, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo man wieder mehr zusammenwächst.

Alles in allem bin ich sehr dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen und bin so zufrieden mit meinem Leben, wie schon sehr lange nicht mehr. Ich finde es wichtig, das immer mal wieder zu sagen, denn in den Medien wird meines Erachtens zu oft darüber gesprochen, wie schwierig das Familienleben ist. Sicher ist das alles richtig und wichtig, aber eben auch ungerechtfertigt abschreckend. Das ganz große Thema, was sich für uns als Paar geändert hat, habe ich jetzt mal ausgelassen. Sicher schreibe ich dazu in den nächsten Tagen auch noch ein paar Gedanken auf.