Wie wir uns als Paar nach der Geburt verändert haben

Vor und auch noch während der Schwangerschaft habe ich mich oft gefragt, wie sich das Baby wohl auf unsere Ehe auswirken wird. Rücken wir noch näher zusammen oder wird das Kind die Nummer 1? Streiten wir uns nur noch vor lauter Stress? Verändern sich unsere Rollen? Die Sorge, dass unsere Ehe leiden könnte, war für mich ein konstanter Begleiter in der Schwangerschaft. Noch heute schaue ich meinen Mann manchmal an und kann mein Glück, ihn zu haben, kaum fassen. Dieses Glück wollte ich auf keine Fall riskieren. Nun, nach einem Jahr, ist ein guter Zeitpunkt um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Da kam die Blogparade von Top Elternblogs gerade recht:

Die erste Zeit nach der Geburt ist für viele Eltern erstmal ein Ausnahmezustand. Das gilt insbesondere für die Mama, die quasi rund um die Uhr mit dem Kind beschäftigt ist und sich auch selbst erst regenerieren muss. Vielleicht kommt es da dem einen oder anderen Vater so vor, als wäre er an die Seitenlinie verbannt worden. Das Spiel ist in vollem Gange, aber er ist nur noch Zuschauer. Bei uns war das ein wenig anders. Da Baby E. ein Schreikind war, musste er voll mitarbeiten. Die Bindung zu seiner Tochter ist sicher nicht zuletzt deswegen sehr eng. Als Paar sind wir erstmal auf der Strecke geblieben. Das ging gar nicht anders, wir waren im Überlebensmodus.

Mittlerweile ist der Alltag wieder eingekehrt und zumindest oberflächlich ist unser Leben ziemlich nah an der alten Normalität. Wir haben gemeinsame Zeit, wenn das Kind im Bett ist. Trotzdem ist nicht mehr alles wie vorher. Die Veränderungen sind subtil, nicht so leicht von außen sichtbar und vielleicht gerade deshalb so tiefgreifend.

Stress und Konflikte

Zweifelsohne erhöht ein Kind den Alltagsstress und es kommt vor, dass die Geduld restlos aufgebraucht ist. Gerade wenn die Nächte kurz sind, wird aus einer eigentlich harmlosen Frage (“Hast du mein blaues Hemd gesehen?”) schnell mal eine Anklage herausgehört (“Wieso ist die Wäsche eigentlich immer noch nicht erledigt?”), die vielleicht gar nicht da ist. Ein schiefer Blick, eine schnippische Antwort und das übermüdete Hirn erledigt den Rest. Ich denke, es ist nicht ungewöhnlich das man als Paar Zeit braucht, um sich an die neue Situation anzupassen. Eine zeitlang hat es öfters mal heftig gekracht.

Uns hat geholfen, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Wir haben gelernt viel schneller zur Versöhnung zu kommen, schon weil wir uns vor Baby E. nicht so anzicken wollen, dass sie gegen uns erwachsen wirkt. Insgesamt nehmen wir uns mehr Zeit über Dinge zu sprechen und gehen mehr aufeinander ein. Ein echter Lerneffekt dank Baby!

Geld

Wir sind sehr verschieden in unserem Umgang mit Geld. Mein Mann spart gerne und ist sehr gewissenhaft und ich, äh, eher weniger. Eine große Sorge von mir war, dass er anfangen würde mir Vorschriften zu machen oder ich mich für jeden Pfennig rechtfertigen muss, wenn ich kein eigenes Einkommen mehr habe. Das hat weniger damit zutun, dass der liebe Ehemann so ein schlimmer Despot wäre (ist er nämlich nicht), sondern eher damit, dass mir sehr viel an meiner finanziellen Unabhängigkeit liegt.

Da wir beide der Meinung sind, dass man in einer festen Beziehung oder Ehe auch die Finanzen teilen sollte, haben wir seit wir zusammen wohnen ein gemeinsames monatliches Budget für alle Ausgaben. Das ist nicht in Stein gemeißelt, sorgt aber dafür, dass wir uns einmal im Monat über unsere Finanzen austauschen und wir alle diesbezüglichen Entscheidungen gemeinsam treffen. Ich bin froh, dass wir dieses Thema schon lange vor der Geburt geklärt hatten, denn Sprengstoff birgt es sicher genug.

Arbeitsteilung

Wir haben uns den Haushalt immer nach Möglichkeiten und Interessen aufgeteilt. Als wir beide gearbeitet haben, haben wir auch gleich viel gemacht. Jetzt bin ich zu Hause und mache damit auch mehr. Da haben wir ihn, den berühmten und oft beklagten Rückfall in die traditionellen Rollenmuster. Da wir aber eine Beziehung auf Augenhöhe haben (siehe Geld), finde ich das nicht wirklich schlimm.

Wichtig finde ich, dass jeder Beitrag gleich wichtig genommen wird und auch respektiert wird, was kein Geld bringt. Ich absolviere ein Fernstudium und es steht außer Frage, dass ich mir dafür Zeit nehme, auch wenn dann im Haushalt mal etwas liegen bleibt. Für mich ist das ein ganz entscheidender Punkt, über den ich viel nachgedacht habe in den letzten Monaten: Es geht meines Erachtens darum, alle Interessen und Beiträge als gleichwertig zu betrachten und nicht so sehr, alles in gleichem Maße bzw. gemeinsam zu tun.

Sex und Zeit als Paar

Als ich beschlossen habe, über die Veränderungen in unserer Paarbeziehung zu bloggen, habe ich natürlich auch meinen Mann gefragt, was sich aus seiner Sicht geändert hat. “Aaaalso, etwas weniger Sex haben wir schon…”, lautete die Antwort. Okay, das stimmt schon. Manchmal fallen wir einfach erschöpft ins Bett, manchmal fühle ich mich abends irgendwie “abgegriffen” nachdem den ganzen Tag ein Kind an mir dranhing und ich will mal für mich sein. Dramatisch ist diese Veränderung aber nicht, also bloß keine Panik im Vorfeld.

Wir sind auch schon vor dem Baby nie die großen Partygänger gewesen. Was uns schon manchmal fehlt, ist zu zweit auszuschlafen oder gemeinsam essen zu gehen. Ich würde aber nicht sagen, dass das irre schlimm. Wir machen es uns gerne daheim gemütlich, langweilig wie wir sind. Wir haben uns vorgenommen, die Tablets abends öfter mal auszulassen und mehr gemeinsam zu machen. Ich bin gespannt, ob es beim Vorsatz bleibt oder ob wir das tatsächlich schaffen.

 

Das sind aus meiner Sicht die wesentlichen Punkte, die sich in unserem Leben verändert haben. Wie bei allen Veränderungen ist halt immer die Frage, ob man dafür bereit ist und wie man damit umgeht. Ich habe zwar weder die Weisheit gepachtet noch führen wir eine problemfreie Vorzeigeehe, aber folgende Tipps möchte ich unqualifizierterweise weitergeben:

  • Nicht aus jeder Kleinigkeit eine Grundsatzdiskussion machen. Einmal tief durchatmen und sich klarmachen, dass der Partner auch müde ist und nicht immer perfekt sein kann.
  • Heikle Themen vorab abklären. Finanzen, Aufgabenteilung, Erwartungen… Je konkreter desto besser.
  • Sich öfter mal daran erinnern, wie man den Partner ganz zu Beginn der Beziehung gesehen hat und feststellen, dass dieser Mensch noch da ist.
  • Die Lebensphasen so akzeptieren, wie sie sind. Jetzt haben wir ein kleines Kind und all die Dinge, die wir nicht tun können, sind später wieder dran. Bis dahin konzentrieren wir uns auf das, was wir jetzt haben, nämlich ein glückliches Familienleben.

Aufräumen, entrümpeln, Ordnung schaffen

Ich habe eine geheime Leidenschaft: Ich liebe Hausarbeit. Würde man jetzt spontan gar nicht drauf kommen, wenn man meine Wohnung sieht. Liegt natürlich alles nur am Kind, sonst wäre es hier superordentlich. Leider muss sich diese Leidenschaft meine Zeit mit den ganzen anderen spaßigen Interessen (kochen, lesen, nähen, lernen…) teilen, die ich habe. Im Moment hat es mich mal wieder gepackt und zwar dank einer einzigen Idee, die sich in meinem Kopf festgesetzt hat und mich nicht mehr loslässt: Ich möchte mich von allem trennen, das mir keine Freude bereitet.

Die Idee stammt von Marie Kondo, einer japanischen Ordnungsexpertin, deren Buch ich leider noch nicht gelesen habe. Hier ein kleines Video von der Dame:

Wie oft behält man Sachen, weil sie teuer waren oder bestimmt mal irgendwann noch gebraucht werden? Meiner Erfahrung nach kommt der Tag, an dem diese Dinge dann tatsächlich zum Einsatz kommen, bloß nie. Sie nehmen nur Platz und Energie weg. Man muss um sie herum saubermachen, sie irgendwie organisieren und verwalten. Wozu das alles? Eben! Also, weg damit.

Bisher habe ich:

  • (Hör-)Bücher, Dekokram und Schuhe für einen Basar gespendet
  • Kleidung in die Kleidersammlung gegeben (Ein paar ausgemusterte Sachen durften noch für Nähübungen bleiben)
  • überzählige Putzmittel, abgelaufene Lebensmittel, billigen Schmuck entsorgt.

Ich versuche dabei immer so vorzugehen, wie Marie Kondo es vorschlägt: Jedes Ding einzeln in die Hand nehmen und überlegen, ob es mir Freude bereitet. Was passiert, wenn ich es entsorge? Wann habe ich es zuletzt benutzt? Wußte ich überhaupt noch von seiner Existenz? Hebe ich es etwa nur auf, weil es ein Geschenk war oder weil es teuer war?

Für mich ist das besser als Yoga. Es ist so befreiend, Kram loszuwerden. All das unnütze Zeug verstellt nur den Blick auf die Dinge, die ich wirklich mag. Das Buch von Marie Kondo wird demnächst angeschafft. Ich freue mich schon auf weitere Erkenntnisse! Wichtig ist natürlich auch, nicht wieder allen möglichen Unsinn anzusammeln. Ja ja, das ist meine Schwäche, aber ich arbeite daran. *ähem*

Was wird anders mit Kind?

Wann immer sich im Leben etwas ändert, und sei es nur das Alter, kommt unweigerlich die Frage: „Uuuund, wie fühlt es sich denn nun an, … zu sein?“ Für … kann man wahlweise 30, verheiratet oder Eltern einsetzen. Nach meiner Hochzeit habe ich mich das manchmal auch selbst gefragt. Ist jetzt irgendwas anders? Ich finde, ja, aber das ist ein Thema für einen anderen Post 😉 Nach der Geburt von Baby E. musste ich mir diese Frage eigentlich nie aktiv stellen, denn ich fühlte mich eindeutig anders. Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich ein Upgrade erhalten, mit dem plötzlich ganz viele zusätzliche Gefühle und neue Perspektiven verfügbar sind. Es ist wirklich merkwürdig und manchmal sogar ein wenig erschreckend, denn nicht alles davon ist nur positiv.

Eine sehr eindrückliche Veränderung ist, dass ich sehr viel emotionaler reagiere, wenn Kindern schreckliche Dinge passieren. Hunger, Gewalt, Vernachlässigung… Klar, das findet man immer schlimm, aber seit Baby E. auf der Welt ist, überfallen mich manchmal regelrecht Gedanken an all das Leid auf der Welt. Ich bin froh, dass mein Kind sicher und behütet aufwächst und es tut mir in der Seele weh, dass das nicht für alle Kinder der Fall ist. Gerne würde ich mehr für andere Kinder tun, die weniger Glück im Leben haben, damit diese Gefühle mich nicht nur runterziehen, sondern auch einen positiven Effekt haben. Das soll jetzt auch nicht so klingen, als hätte ich mich als Mama in eine Heulsuse verwandelt. Ganz im Gegenteil: Bei uns wird viel mehr gelacht als früher. Wir sind von Haus aus eher Kopfmenschen und dass mit der Kleinen kindliche Freude und Albernheit bei uns eingezogen sind, ist ein echter Segen.

Sehr positiv finde ich auch, dass so ein kleiner Mensch einen davon abhält, sich ständig mit sich selbst zu beschäftigen. Das geht jedenfalls mir so. Keine Zeit mehr, mich stundenlang über kleine Speckröllchen, X-Beine oder sonst welchen Quatsch zu ärgern. Generell fällt mir auf, dass ich viel weniger bereit bin, mir Zeit stehlen zu lassen und Dinge weniger vor mir herschiebe. Gleichzeitig habe ich auch gelernt, Geduld zu haben. Dafür sind Kinder wirklich perfekt.

Natürlich ändern sich auch viele „äußere“ Dinge: Es ist immer, wirklich immer, unordentlich bei uns. In Sekundenschnelle können kleine Babyhände eben Geputztes wieder einsauen und ein aufgeräumtes Zimmer in ein Schlachtfeld verwandeln. Ich versuche mich jetzt immer ganz aktiv für ein paar selige Minütchen am frisch geputzten Fußboden zu erfreuen und mich danach in eine Art zenmäßigen Scheißegalmodus zu begeben, wenn ich nämlich mit ansehen muss, wie alles wieder vollgekrümelt wird 😀 Ich muss nicht mal mehr darüber nachdenken, die Waschmaschine anzuschmeißen. Wenn ich im Badezimmer bin und das gute Maschinchen nicht ohnehin schon vor sich hin rumpelt, schmeiße ich quasi schon im Vorbeigehen Zeugs hinein. Kleiner wird der Wäscheberg irgendwie trotzdem nie.

Gott sei Dank gibt es Großeltern, die einen ab und an ein wenig entlasten. So ein Besuch zum Kaffee bei Oma und Opa ist für uns das ultimative Wellnesserlebnis geworden. Man muss sich nur an den gedeckten Tisch setzen, allerlei Leckereien in sich hineinstopfen, während der Nachwuchs von den begeistertsten Babysittern der Welt unterhalten wird. Nachdem man sich in den vergangenen Jahren ein eigenes Leben ohne die Eltern aufgebaut und sich vollends abgenabelt hat, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo man wieder mehr zusammenwächst.

Alles in allem bin ich sehr dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen und bin so zufrieden mit meinem Leben, wie schon sehr lange nicht mehr. Ich finde es wichtig, das immer mal wieder zu sagen, denn in den Medien wird meines Erachtens zu oft darüber gesprochen, wie schwierig das Familienleben ist. Sicher ist das alles richtig und wichtig, aber eben auch ungerechtfertigt abschreckend. Das ganz große Thema, was sich für uns als Paar geändert hat, habe ich jetzt mal ausgelassen. Sicher schreibe ich dazu in den nächsten Tagen auch noch ein paar Gedanken auf.