Schlaftraining – Aktueller Stand

Soooo, nun ist schon ein Weilchen seit meinem letzten Post zum Thema vergangen und es hat sich tatsächlich viel getan.

Nach wie vor geht das Einschlafen ziemlich gut und unproblematisch. Das Beste ist aber: Sie wacht nur noch einmal pro Nacht auf und zwar so gegen 4 Uhr morgens. Dann wird ganz kurz gestillt und sie schläft weiter bis ca. 6 Uhr. Da bei uns eh der Wecker um 5.30 Uhr klingelt (uäääh) ist das absolut ok. So kommt Baby E. auf meistens 11 Stunden Schlaf mit nur einer kurzen Unterbrechung. Tagsüber ist sie fröhlicher und lacht viel. Als sie noch regelmäßig alle 2-3h wach wurde, war sie tagsüber oft nicht zu gebrauchen, nur quengelig und nicht so entdeckungsfreudig. Das bringt mich zu meinem wichtigsten Punkt bei der ganzen Sache: Man tut das letztendlich für das Kind. Ausreichender Schlaf ist enorm wichtig für die Entwicklung und die Fähigkeit, alleine (d. h. ohne größere Einschlafhilfen) einschlafen zu können, ist der Schlüssel dazu.

Ich betone das nochmal, weil ich letzte Woche erst wieder ein Gespräch auf dem Spielplatz belauschen durfte, bei dem eine Mutter lang und breit darlegte, dass ihre Kleine niemals geschrien hätte, weil sie im Elternbett schläft, bei Bedarf gestillt wird und so alles direkt bekommt, was sie möchte. Sie könne gar nicht verstehen, wieso man das anders macht. Das Kind war übrigens ein gutes Jahr alt. Super, dachte ich mir, dass das bei euch so toll klappt. Hat es bei uns aber leider nicht. Auch wir hatten Klein-E. in unserem Bett und ich habe immer gestillt, wenn sie gekräht hat. Leider war danach aber nicht notwendigerweise Ruhe. Unsere Anwesenheit hat sie davon abgehalten, zur Ruhe zu kommen. Je größer sie wurde, desto mehr Schwierigkeiten hatte sie, unser Bett als Schlafplatz und nicht als Spielplatz zu sehen. Ich will absolut nicht für das Schlaftraining missionieren, aber sehr wohl dafür sensibilisieren, dass es gute Gründe dafür gibt. Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis und es war insgesamt deutlich weniger schlimm als befürchtet.

 

Schlaftraining – Methode und erste Erfahrungen

Wie bereits geschrieben. gehören wir zu den grausamen Eltern, die ihrem Kind mit Hilfe eines Schlaftrainings beibringen möchten, ausreichend und erholsam zu schlafen. Nötig geworden ist das, weil unser Zwerg leider meistens morgens unausgeschlafen und unausstehlich ist, weil sie nachts häufig wach wird und zu früh aufwacht. Dass wir an einem gewissen Punkt diesen Weg gehen würden, war uns eigentlich schon recht früh klar. Als Eltern eines Ex-Schreikinds wurden wir für die Bedeutung des Schlafs für die Entwicklung sensibilisiert. Die Frage war nur, welche Vorgehensweise wir wählen.

Zum Thema Schlaf gibt es jede Menge Bücher. Das bekannteste ist in Deutschlad sicher „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – bekannt und extrem umstritten. Ich will mich zu der Debatte rund um das Buch gar nicht weiter äußern (Meinungen dazu sind im Internet schon zur Genüge vorhanden), nur dass nach einer kurzen Überflugslektüre mir der Ton des Buches nicht gefallen hat. Geschmackssache sicherlich.

Gelandet sind wir schließlich bei The Sleepeasy Solution von Jennifer Waldburger und Jill Spivack. Grob zusammengefasst wird das Kind nach dem üblichen Einschlafritual müde aber noch nicht schlaftrunken ins Bett gelegt. Schreit es, dann gehen Mama oder Papa erst nach 5, dann nach 10 und schließlich nach 15 Minuten wieder hinein und beruhigt das Kind verbal. Als Schlafhilfen werden Schnuller, Schnuffeltuch (gerne mit Mamas Duft) und weißes Rauschen (z. B. über eine App) empfohlen. Wichtig ist, dass das Kind während der Beruhigungsphase nicht aus dem Bett genommen, gestreichelt o.ä. wird, da es sonst erwartet, seine übliche Einschlafhilfe (Brust, Herumtragen etc.) zu bekommen und dann nur noch schlimmer schreit, wenn das ausbleibt. Nach max. 30 Sekunden sollen die Eltern das Zimmer dann wieder verlassen. Das sind so die Grundlagen, hinzu kommen aber noch zahlreiche Tipps, die ich hier nicht alle wiedergeben kann.

Wir haben mit der Methode an einem Montag begonnen (empfohlen wird das WE, war bei uns aus beruflichen Gründen aber nicht machbar). Entgegen der Empfehlung habe ich auch nicht abends, sondern tagsüber angefangen. Die ersten Male war ich nach 5 und nach 10 Minuten im Zimmer. Danach war jeweils Ruhe und das Kind hat selig geschlafen und ist erst nach mind. 1,5h (tagsüber) wieder wach gewesen. Wirklich lange geschrien hat sie nicht und, auch wenn es die ersten Male nicht ganz einfach für mich war, es war auch von der Intensität auszuhalten. Schon nach zwei Tagen hat sie nur noch gemeckert und gar nicht mehr geschrien. Immer häufiger war auch schon nach dem ersten Beruhigen Ruhe im Karton. Mitte der Woche dann das Wunder: Kind schaut mir beim Hinausgehen lächelnd (!) hinterher und schläft ohne einen Pieps ein. Es klappt nicht jedes Mal, aber meistens schon. Und fast genauso schön: Sie wacht fast nicht mehr weinend, weil unausgeschlafen, auf. Das ist bislang so der Riesenerfolg gewesen. Leider kam dann ein Zahn dazwischen und wir haben noch nicht weitermachen können.

Als nächstes möchte ich ihr das nächtliche Trinken abgewöhnen und ihr gerne auch beibringen etwas länger zu schlafen. Wie das gemacht werden soll, berichte ich dann im entsprechenden Post.

Insgesamt ist das Buch sehr empfehlenswert – es enthält neben der o.g. Methode Tipps für Sonderfälle, Vorschläge für größere Kinder und vieles mehr. Leider nur auf englisch erhältlich. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass die Autoren viel Verständnis für die Situation der Eltern haben und so die Angst vor dem Schlaftraining ein wenig abmildern.

Schlaftraining – Unsere Sichtweise

Das Babymädchen ist nun bald 9 Monate alt und wir finden, es ist langsam an der Zeit, dass sie alleine schläft. Ursprünglich hatten wir vor, sie entsprechend der offiziellen Empfehlung ein Jahr in unserem Schlafzimmer zu lassen. Was genau nun der Auslöser war, es sich anders zu überlegen, kann ich nicht sagen. Es hat sich einfach richtig angefühlt. E. ist mittlerweile sehr selbstständig. Zudem hatten wir den Eindruck, sie durch unsere Anwesenheit (und das bei der kleinsten Bewegung quietschende Bett vom Möbelschweden) eher zu stören. Sie wurde häufig wach und sobald sie uns dann bewusst wahrgenommen hat, forderte sie lautstark Aufmerksamkeit. Was zu kurz kam war leider der Schlaf – und zwar für alle Beteiligten.

Bevor ich den aktuellen Lagebericht abgebe ein paar Worte zum Schlaftraining generell: In Mütterforen wird Schlaftraining gerne verteufelt. Man könne doch so ein kleines Wesen nicht schreien lassen, das wäre doch dann ganz verzweifelt, wozu ist Mama denn da und man muss sich halt damit abfinden, dass man mit Baby nicht anständig schläft blablabla usw. Argumentiert wird dann immer mit dem Bedürfnis nach Nähe, das man als Mutter bitteschön zu jeder Tages- und Nachtzeit erfüllen soll. Auffällig ist dabei der agressive Ton gegenüber Müttern, die nach Monaten 24h-Dienst am Kind gerne mal wieder schlafen würden und deren Familien oft genug am Rande des Nervenzusammenbruchs leben.

Dazu meine ganz persönliche Meinung:

1. Das Kind braucht Nähe und Liebe – Ja, ist doch klar. Aber alles hat seine Zeit. Tagsüber wird geschmust und geknuddelt, was das Zeug hält und nachts wird geschlafen. Klar ist auch, dass es Ausnahmen gibt (Zahn kommt, Erkältung, Schub…)

2. Kinder brauchen einen vernünftigen Schlaf für ihre Entwicklung. Das wird irgendwie gerne mal unterschlagen, aber wer dauernd wach ist, ist nicht richtig ausgeschlafen am Morgen. Und das gilt nicht nur für die ach so faulen und egoistischen Eltern, sondern auch für die Kleinen. Ein unausgeschlafenes Kind ist außerdem wirklich kein Spaß.

3. Von lieb gewonnenen Gewohnheiten verabschiedet man sich nicht so leicht, daher gibt es leider meistens Tränen. Ich versuche mich zur Zeit an gesunder Ernährung, was auch nicht nur immer gute Laune macht. Als Erwachsener kann ich meinen Unmut halt differenzierter ausdrücken als so ein Zwerg.

Mir ist es extrem wichtig, dass mein Kind lernt, auch ohne meine Hilfe zu schlafen. Ich selbst habe ewig bei meinen Eltern gepennt und konnte noch als Erwachsene lange Zeit nicht alleine einschlafen (Radio, TV, Fenster auf und Licht an waren das Mindeste). Nachdem E. durch ihre Schreizeit an sehr viele Einschlafhilfen gewöhnt war, kamen wir also um Schlaftraining nicht herum.

Wir sind das Ganze etappenweise angegangen und haben immer mal wieder versucht, das eine oder andere wegzulassen. Erst von der Manduca auf den Arm mit Stoffwindel abgedeckt, dann mit Körperkontakt im Elternbett, dann ohne Körperkontakt im Elternbett, schließlich allein im Elternbett (tagsüber) und zu guter letzt ins eigene Bett in unserem Schlafzimmer.

Spaß macht es nicht und es kostet jede Menge Überwindung. Haben wir es dann erstmal gewagt, war es meist viel weniger schlimm als erwartet. Das schrittweise Abgewöhnen der Einschlafhilfen, also kein kalter Entzug, war und ist für uns auf jeden Fall der richtige Weg. Das noch zu dem Punkt, an dem wir jetzt stehen: E. schläft seit drei Tagen im eigenen Zimmer. Die Details (Methode, Fort- und Rückschritte) zum Schlaftraining gibt es dann in einem weiteren Post.